Was spricht gegen einen „Intervall-Lockdown“?

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Draußen fallen die Blätter und drinnen steigen die Infektionszahlen in der Corona-Pandemie – auch bei uns in Deutschland, einem der internationalen „Musterschüler“ der Krisenbewältigung bislang. Angesichts von täglichen Neuerkrankungen oberhalb der 2.000-Fälle-Marke werden die Rufe nach einem generellen Lockdown wieder lauter. Auf der anderen Seite wollen Bundesregierung und Wirtschaftsvertreter genau das vehement verhindern und setzen deshalb auf punktuelle Einschränkungen, um die Infektionskurve abzuflachen.

Bislang geht diese im Prinzip vernünftige Strategie jedoch nicht auf. Die Zahlen steigen langsam aber stetig weiter. Natürlich muss man zur korrekten Einordnung festhalten, dass heute viel engmaschiger getestet wird, als zu Beginn der Pandemie.

„Wenn man weniger testet, hat man weniger Fälle.“

US-Präsident Donald Trump im Sommer

Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Virus wieder auf dem Vormarsch ist. Es muss unbedingt verhindert werden, dass die Kurve irgendwann erneut steil nach oben geht und wir die Kontrolle verlieren.

Im Prinzip spricht dieser Anspruch aber genau für einen strikten Lockdown. Denn nur so kann die Kurve flach gehalten werden. Was nützt ein Verbot von großen Familienfeiern, wenn sich Menschen dann beim Einkauf, im Büro oder im Bus anstecken?

Die Wirksamkeit des Lockdowns ohne seine fatalen Nebenwirkungen

Die Maske ist ein wichtiges Instrument zur Eindämmung des Virus. Die Pflicht, sie überall dort zu tragen, wo Menschen zusammenkommen, ist richtig. Aber der Lockdown ist die wirksamere Strategie – sozusagen die „Bazooka“ unter den Anti-Corona-Maßnahmen bis zum Impfstoff. Gleichzeitig bläst diese Bazooka aber auch alles Drumherum weg, vom Friseurladen über das Kiezkino bis hin zum Bierlokal. Die Abmilderung der wirtschaftlichen Folgen des ersten Lockdowns hat den Staat schon jetzt hohe Milliardenbeträge gekostet.

Aber was wäre, wenn wir den Lockdown in Intervallen richtig dosieren und dadurch planbar machen? Wir könnten wie in einem Kalender nach vier Wochen Öffnung jeweils drei Wochen Lockdown verhängen und das verbindlich immer für zwei Zyklen im voraus. Menschen wären so in der Lage, Einkäufe und Besorgungen zu planen. Einzelhandel, Dienstleistungsbetriebe und selbst Kulturstätten könnten sich so besser darauf einstellen. Gleichzeitig würden Hamsterkäufe und Verunsicherung, aber auch das Gegenteil davon, minimiert.

Drei Wochen sind zudem ein guter Zeitraum, um akut ansteckende Corona-Träger auszukurieren. Man würde in diesem Zeitraum versetzt eine Abflachung der Kurve erreichen und könnte das so oft wiederholen, bis das Geschehen wieder unter Kontrolle ist oder / und ein Impfstoff zur Verfügung steht. Sinn macht das natürlich nur, wenn in Deutschland alle oder zumindest die meisten Bundesländer mitziehen. Denn sie sind hier die primären Entscheidungsträger und wenn dann Länder wie Sachsen-Anhalt oder Hessen ausscheren, hat man erstmal wenig gewonnen. Alle Landesregierungen mögen also bedenken, dass in Zeiten eines potenziell tödlichen Virus alle zusammenarbeiten müssen. Föderalismus soll sein, aber nicht um den Preis von Menschenleben.

Jetzt wäre die richtige Zeit, das Konzept eines „smarten“ Lockdowns einmal auszuprobieren. Wie auch immer es weitergeht: Bleiben Sie gesund und vorsichtig!

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